Jay Shetty: Think like a Monk-Prinzip

Seit einigen Wochen begleitet mich „Think like a Monk-Prinzip“ von Jay Shetty aus dem Rowohlt Verlag. Das Buch scheint wie für diese schrägen Zeiten gemacht: Wie findet man zu innerer Ruhe und Kraft? – eine Frage, die mich immer wieder neu beschäftigt.

Jay Shetty ist ein ehemaliger hinduistischer Mönch und Digitalstratege, der in den Sozialen Medien als Influencer bekannt wurde. In seinem Buch beschreibt er seinen Werdegang vom Absolventen der Business School zum Mönch im indischen Aschram. Drei Jahre lang verbringt er dort und kehrt schliesslich zurück, um sein Wissen und seine Erkenntnisse mit anderen (uns!) zu teilen.

„Think like a Monk-Prinzip“ besteht aus drei Teilen: Loslassen, Wachsen und Geben. Das klingt alles sehr einfach, ist aber natürlich sehr viel tiefgründiger, als es auf den ersten Blick vermuten lässt: So behandelt er im ersten Teil „Loslassen“ essentielle Themen wie Identität, Negativität, Angst, Intention und führt schliesslich in eine Meditation mit dem Titel „Atmen“. Diesen ersten grossen Teil las ich sehr gerne, weil Shetty persönlich und treffend schreibt. Seine Gedanken, seine versöhnlichen Worte passen in dieses Jahr voller Veränderung und Ängsten.

Der zweite Teil handelt vom Wachsen. Auch hier wählt Jay Shetty so grosse Lebensthemen wie „Bestimmung“, „Routinen“, „der Verstand“ und „Ego“ für seine Kapitel. Im dritten Teil schliesslich gehts ums Geben: Dankbarkeit, Beziehungen und Dienen sind hierbei die grossen Titel. Sie runden dieses Buch ab. Und ganz nebenbei kriegt man einen Einblick in die Weisheiten der Bhagavad Gita.

Jay Shetty schreibt unaufgeregt und leise und packt die Menschen dort, wo sie sensibel sind. Ich mag die launige Übersetzung, den leichten Ton. Immer wieder regt Shetty zur Selbstreflektion an, ganz gleich ob es um eine Bilanzierung der eigenen sozialen Kontakte geht (Corona hat uns allen wohl eine gewisse Klarheit verschafft, mit wem wir zusammensein wollen, wenn wir es denn können), eine Übersicht über unsere negativen Äusserungen pro Tag oder die Umkehr des Neides.

Das Buch ist leicht geschrieben und eignet sich für all jene Menschen, die sich gerne selbst reflektieren und auch dann bereit sind, bei sich selber hinzuschauen, wenn dies unangenehm wird.

Jay Shetty: Think like a Monk-Prinzip
Rowohlt Polaris, Oktober 2020
ISBN 978-3-499-00225-0

Think like a Monk-Prinzip von Jay Shetty.

Luc Hagmann: Dem Klima auf der Spur

Dieses Jahr ins Ausland zu reisen wird wohl vielen Menschen hierzulande nicht möglich sein. Natürlich gibt es sehr viele schöne Ausflugsorte in der Schweiz, aber da sind ja jetzt wohl auch alle anderen.

Der Journalist, Redaktor und Fotograf Luc Hagmann hat mit seinem Buch „Dem Klima auf der Spur – 20 Wanderungen zu den Schauplätzen des Klimawandels“ einen Wanderführer gemacht, der etwas anders als alle anderen daher kommt.

Der Autor beschreibt 20 unterschiedliche Wanderungen in der ganzen Schweiz, vom Mont Soleil bis zum Ospizio Bernina ist für jedes Interesse und Können etwas dabei. Er orientiert sich dabei an der SAC-Skala, welche von T1 (Wandern) bis T6 (schwieriges Alpinwandern) reicht. Die beschriebenen Touren bewegen sich zwischen T1 und T3.

Das Buch überzeugt durch tolle Fotografien und anschauliche Beschreibungen, so dass man Lust kriegt, gleich den Rucksack und die Wanderschuhe zu packen und loszugehen. Der Autor macht auf die Veränderungen in der Landschaft aufmerksam: Gletscherschwund, die Spuren von Hochwasser oder Trockenheit können auf den Touren in den jeweiligen Jahreszeiten beobachtet und selbst beurteilt werden. Mehr als einmal lässt einen die Lektüre nachdenklich zurück. Wie wird das erst auf der Wanderung sein?

Was mir besonders gefällt: Das Buch ist hochwertig hergestellt, lässt sich aber leicht im Rucksack mitnehmen. Einmal mehr ein toller, praktischer Wanderführer aus dem Werdverlag!

Luc Hagmann: Dem Klima auf der Spur- 20 Wanderungen zu den Schauplätzen des Klimawandels
Werdverlag.ch 2020 2. überarbeitete Auflage
ISBN 978-3039-220-151

Anja Baumheier: Kastanienjahre

Romane, die die deutsche Nachkriegsgeschichte im Osten oder Westen erzählen und zum Nachdenken anregen, gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Für mich als Schweizerin mit einem ganz anderen Hintergrund und Blick auf die Nachkriegszeit sind solche Bücher eine sehr spannende Sache. Anja Baumheier hat mit ihrem Buch „Kastanienjahre“ einen Roman geschrieben, der so wohl Liebesgeschichte als auch Kriminalroman sein könnte. Aber eben nur fast.

Im Mittelpunkt des Romans stehen nicht nur die drei Protagonisten Elise, Henning und Jakob, sondern auch das kleine Dorf Peleroich an der mecklenburgischen Ostseeküste.
Elise ist Schneiderin und lebt seit vielen Jahren in Paris. Eines Tages bekommt sie einen anonymen Brief mit der Bitte, nach Peleroich zurückzukehren. Das Dorf soll nämlich dem Erdboden platt gemacht werden. Der geheimnisvolle Briefeschreiber eröffnet ihr, dort in einigen Tagen mitzuteilen, wer schuld am Tod ihres Vaters und am Verschwinden von Jakob ist.

Seit 34 Jahren hofft sie herauszufinden, was mit ihrer grossen Liebe Jakob, dem Künstler, passiert ist. Henning, mit dem sie lange verheiratet war, lebt noch immer in Peleroich. Gemeinsam mit ihm und ihren Freunden macht sich Elise auf die Suche nach dem Briefeschreiber und den Geheimnissen der Vergangenheit.

„Kastanienjahre“ ist anders als jene Deutschland-Romane, die ich in den vergangenen Jahren gelesen habe. Anja Baumheier gelingt es, die Leserin langsam in die Realität des Nachkriegsdeutschland einzuführen. Sie zeigt auf, wie sich der Alltag langsam verändert und was es für die Menschen bedeutete, in der DDR zu leben. Sie beschreibt den alltäglichen Gesinnungsterror, die Einschränkungen und den Missbrauch von Macht. Ich bin sehr rasch in den Roman eingetaucht. Die Protagonisten erscheinen zwar manchmal etwas arg farblos und angepasst. Doch die Liebesgeschichten zwischen Henning und Elise und Elise und Jakob haben mich fasziniert. Anja Baumheiers Sprache ist einfach, aber ihre Worte greifen tief. Beim Lesen der letzten Seite habe ich schliesslich geweint.

Anja Baumheier: Kastanienjahre
Wunderlich September 2019
ISBN 978-3805-207-506

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Bücher für den Sommer zuhause

Viele von uns werden diesen Sommer wohl keine Ferien im Ausland, am Meer oder sonstwo verbringen können. Nichtsdestotrotz stehen uns hoffentlich ruhige Zeiten bevor. Für Lesestoff ist gesorgt!

Die Schule am Meer
Dieser Roman handelt von einem reformpädagoischen Internat, das in den 1920er und 30er-Jahren auf Juist existierte. Sandra Lüpkes ist die Autorin und hat ausgiebige Recherchen zu den historischen Begebenheiten und realen Personen der Schule betrieben. Im Mittelpunkt von „Die Schule am Meer“ steht Anni Reiner, die mit ihrem Mann und befreundeten Lehrern eine Schule gründet. Da sind die Schüler und Schülerinnen, Maximilian, der aus Südamerika stammt und Heimweh hat. Da ist Kea, die Haushälterin und ihr Patenkind Marje. Die Schule bietet all diesen Menschen eine Chance, die Insel ein Zuhause. Die Einheimischen der Insel nennen die Schule einen „Hort für Kommunisten und Juden“. Als die politische Lage sich in Deutschland zuspitzt, droht alles, was die Gemeinschaft aufgebaut hat, auseinanderzubrechen.

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Wiedersehen in der kleinen Inselbuchhandlung
Die Bücher von Janne Mommsen lesen sich wie eine Wanderung an der Nordsee. Sie treffen direkt ins Herz und man wünscht sich einfach nur ans Meer. „Wiedersehen in der kleinen Inselbuchhandlung“ handelt vom Krimiautor Hauke, der auf der kleinen Nordseeeinsel aufgewachsen ist. Mit seinen Freunden Wiebke, Kai und Nicole verbrachte er dort eine unbeschwerte Kindheit. Mit der Matura zeichnet sich das Ende der Clique ab.
Zwanzig Jahre später kehrt Hauke zu einer Lesung nach Hause zurück. In der kleinen Inselbuchhandlung von Greta Wohlert will er seinen neuesten Krimi vorstellen. Er staunt nicht schlecht, als er unter den Zuhörern seine drei Freunde von damals erkennt. Aus Wiebke ist eine wunderschöne Frau geworden…

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Macht das glücklich, oder kann das weg?
Wem alle Dramatik für den Moment zuviel ist, dem empfehle ich den Roman von Ulrike Schäfer. „Macht das glücklich, oder kann das weg?“ handelt von der Hamburger Modelegende Ella Castello, die zurück in ihre alte Heimat Rom ziehen will. Ihre Villa an der Alster ist voll von Vintagekleidern, von denen sie sich nun trennen soll. Sie sucht Hilfe bei Merle, der Aufräumberaterin. Die alte Dame staunt über die disziplinierte junge Frau, bei der immer alles nach Plan zu laufen scheint. Doch Merles Leben ist chaotisch, besonders was die Liebe betrifft.

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kreativ schreiben lernen

Vielleicht hast du dir in den langen Wochen des Shutdowns überlegt, was du dir an Kreativität in dein Leben holen könntest. Aber vielleicht ist dir beim ständigen Zuhausebleiben die Lust auf alles vergangen.

Gerne stelle ich zwei Bücher vor, die mich seit langem begleiten und die ich jedem und jeder ans Herz lege, die sich vertieft mit kreativem Schreiben auseinandersetzen mag.

Da ist das „Lehrbuch des kreativen Schreibens“ von Lutz von Werder. Man könnte sagen, das ist die Bibel des kreativen Schreibens, denn in diesem Buch findet sich alles, was man wissen und sich aneignen sollte sowie unglaublich viele Ideen für Schreibexperimente. Von Werder hat sein Lehrbuch in zwei Teile geteilt.

Der erste Teil behandelt „das poetische Feld“. Er erklärt die Geschichte des kreativen Schreibens, psychologische Aspekte des Schreibens, Schreibblockaden und zeigt schliesslich verschiedenste Techniken und Methoden auf. Wahrlich eine Schatzkiste!

Im zweiten Teil geht es um die Praxis der Poesiepädagogik. Er geht hierbei besonders auf die Aspekte der Poesiegruppenpädaogik ein, zeigt auch hier Phasen, Krisen und Chancen auf.

Dieses Buch las ich mit sehr viel Interesse, fasste immer wieder neue Ideen auf und fühlte mich nach der Lektüre inspiriert und beschenkt. Es eignet sich nicht nur für Interessen ohne jegliche Vorbildung, sondern für Schreibende aller Richtungen, Schreibgruppenmitglieder, Ausbildende und Studentinnen und Studenten.

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Das zweite Buch ist von Gabriele L. Rico (1937-2013). Sie war eine US-amerikanische Dozentin für Anglistik und Kunstpädagogik. „Garantiert schreiben lernen“ ist sozusagen der Klassiker des creative writing. Erschienen ist das Manuskript ursprünglich 1983 unter dem Titel „Writing the Natural Way, Using Right-Brain Techniques to Release your Expressive Powers“ als Dissertation.

Mein Exemplar habe ich den 90er Jahren in einem Brockenhaus gefunden, 2004 erschien die letzte Auflage im Rowohlt Verlag. Zum Glück finden sich pdf-Versionen dieses Titels noch irgendwo im Netz…

„Garantiert schreiben lernen“ ist ein etwas irreführender Titel, aber wohl dem deutschen Marketinggedanken zuzuschreiben, wenn man bedenkt, dass man nach der Lektüre nicht „garantiert“ schreiben gelernt hat.

Rico führt die Leserin, bzw. die Autorin ins Clustering ein. Diese kreative Methode ist heute aus Schreibkursen oder Ideenfindung nicht mehr wegzudenken. Phasenweise liest sich „Garantiert schreiben lernen“ etwas mühsam und beinahe langweilig. Ricos Impulse, ihre Erklärungen sind aber interessant und besonders für Pädagogen hilfreich.

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Vom Tagebuch schreiben

Vor über zwei Jahren schrieb ich von meiner besten Freundin, meinem Tagebuch. Noch immer ist mein Tagebuch mein ständiger Begleiter, ganz gleich ob abends zuhause, in den Ferien oder in Zeiten, wo alles auf dem Kopf steht.

Ich bevorzuge Notizbücher ohne Linien. Das trainiert das eigene Schriftbild, zudem mag ich es beim schreibenden Denken nicht, wenn ich einer Vorgabe folgen soll. Ich mag Stifte, mit denen ich schnell und leicht schreiben kann.

Wenn ich mich mit anderen übers (Tagebuch) schreiben unterhalte, stelle ich oftmals fest, dass gewisse Hemmungen bestehen. „Wie soll ich bloss anfangen?“ oder „Wie halte ich das durch?“ sind nicht seltene Fragen.

Vor einigen Jahren stiess ich auf das Buch „Schreiben von Tag zu Tag“ von Lutz von Werder und Barbara Schulte-Steinicke. Die Autoren zeigen in ihrem Werk auf, wie das Tagebuch die persönliche Entwicklung fördert und wie das Schreiben als kreativer Prozess funktioniert.

Nun, ich muss gestehen, dass ich die einzelnen Anleitungen des Buches nicht einzeln durchgespielt habe. Aber ich bemerkte beim Durchlesen, dass mich beispielsweise das Kapitel „Schreibanreize durch Fragen“ sehr inspiriert hat und ich tatsächlich einzelne Fragen so spannend fand, dass ich sie in meinem Tagebuch schreibend beantwortete.

Der zweite Punkt, der mich beim Lesen ansprach, waren die Übungen zum literarischen Schreiben im Tagebuch. Für die Dauer von 68 Tagen liefern die Autoren Material für die Selbstvertiefung und bieten Hand für die kreative Weiterentwicklung des Tagebuchschreibers.

Die Autoren beschreiben schliesslich auch die Chancen, Krisen und Störungen im Tagebuchschreiben, die ich selber aus eigener Erfahrung kenne. Nun, das Tagebuch schreiben gleicht vielleicht ein wenig dem Krafttraining, täglichen Spaziergängen oder gar Yoga-Übungen. Man macht sie bewusst, sie gehören zum Alltag und bieten Sicherheit und Glück.

Mir gefällt eines der Zitate im Buch besonders. Es stammt von Gottfried Keller: „Diese Selbständigkeit kann nur bewahrt werden durch stetes Nachdenken über sich selbst, und das geschieht am besten durch ein Tagebuch.“

Vielleicht ist es das, was mir seit über 30 Jahren so gut am denkenden Schreiben gefällt.

Lutz von Werder, Barbara Schulte-Steinicke
Schreiben von Tag zu Tag – Wie das Tagebuch zum kreativen Begleiter wird
Walter Verlag, 2010
ISBN 978-3-530-50623-5

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Richard Roper: Das Beste kommt noch

Andrew Smith ist Nachlassverwalter in London. Sein Job ist nicht ganz ohne. Immer wenn jemand allein zuhause verstirbt, muss er in dessen Wohnung nach Hinweisen auf Verwandte suchen. Zum Glück hat er eine harmonische Familie zuhause, denken seine Arbeitskollegen. Aber leider stimmt das nicht.

Er lebt in einer Ein-Zimmer-Wohnung, beschäftigt sich mit seiner Modelleisenbahn, Chatforen und seinen Schallplatten. Doch dann tritt Peggy in sein Leben und kein Stein bleibt auf dem anderen. Andrew leidet unter seiner Einsamkeit, doch schafft er es auch nur schwer, auf Peggy zuzugehen. Er ist ein Grübler und hadert mit seinem Leben und seinen unsensiblen Kollegen. Und dann ist da noch die Sache mit seiner Frau Diane und den beiden Kindern, eine Geschichte, die er seinem Chef erzählt hat, um seriöser zu wirken…

Ich gebs zu: Ich brauchte lange, in diese Geschichte reinzukommen, auch wenn sie gut geschrieben und sehr unterhaltsam ist. Das lag aber wahrscheinlich mehr daran, dass ich in den letzten paar Wochen Mühe hatte, längere Zeit zu lesen. Alles in allem hat sich die Lektüre von „Das Beste kommt noch“ gelohnt. Der Roman handelt von den wichtigen Dingen im Leben: Liebe, Freundschaft und dem Umgang mit ungelebter Trauer. Der Protagonist wirkt anfangs grau und unscheinbar, gewinnt aber im Laufe der Geschichte immer mehr Tiefe und Sympathie. Der Leser leidet förmlich mit, wenn Andrew von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen tappt. Das Ende hinterlässt einen versöhnt.

Richard Ropers erster Roman schlug in der Originalsprache ein wie eine Bombe. Die nationalen und internationalen Verlage rissen sich um die Veröffentlichungsrechte und so erscheint „Das Beste kommt noch“ in 19 Ländern. Jetzt arbeitet er an seinem zweiten Roman.

Richard Roper: Das Beste kommt noch
Wunderlich März 2020
ISBN 978-3-8052-0044-8

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Elif Shafak: Die vierzig Geheimnisse der Liebe

Auf das Buch „Die vierzig Geheimnisse der Liebe“ der türkischen Schriftstellerin Elif Shafak bin ich auf dem Flug von Zürich nach Paris gestossen. Wir reisten im Frühling nach Paris und ich freute mich riesig, diese wunderbare Stadt wiederzusehen. Im Sitz neben uns sass eine junge, wunderschöne Frau, die dieses Buch wahrlich verschlang. Beim Schreiben dieser Zeilen bemerke ich gerade, wie sehr mir Paris im Frühling fehlt.

Kaum war ich wieder in der Schweiz kaufte ich mir diesen Titel und verstand.
Der Roman handelt auf zwei verschiedenen Ebenen. Da ist Ella, Mutter von drei Kindern, ist verheiratet. Sie arbeitet als Gutachterin für eine Literaturagentur vertieft an einem Roman über den Sufi-Dichter Rumi und seine vierzig geheimnisvollen Regeln der Liebe. Sie lernt den Verfasser des Buches, Aziz Zahara und erfährt durch diese Begegnung eine tiefe persönliche Veränderung. Sie findet mit einem Mal einen Weg zu sich selber und damit zu wahrer Liebe.

Auf der zweiten Ebene erleben wir die Geschichte von Rumi, die im 13. Jahrhundert spielt. Dieser Teil des Romans ist magisch. Man taucht mit der Autorin ab und findet sich mit einem Mal wieder in der Welt Rumis wieder.

Mich hat dieser Roman von der ersten Seite an gepackt. Elif Shafak schafft es, wunderbare kraftvolle Bilder mit ihren Worten zu erschaffen. Wenn ich jetzt wieder in diesem Roman blättere, kann ich nur schwer widerstehen, ihn erneut zu lesen, mich atemlos und verzaubert in der Handlung zu vertiefen und am Ende bitterlich zu weinen.

Elif Shafak: Die vierzig Geheimnisse der Liebe
Kein & Aber Pocket 6. Auflage 2015
ISBN 978-3-0369-5912-2

Ich sehe deine Tränen von Jorgos Canacakis

Vor einigen Tagen habe ich an einer Challenge auf Twitter mitgemacht, in der es darum ging, seine/ihre Lieblingsbücher ohne Kommentar zu zeigen.

Als Büchermensch gibt es da jede Menge Bücher (und auch Zeitungen und Zeitschriften), die ich liebe und gerne lese. Eine Auswahl zu treffen kommt mir oftmals wie eine Art Verrat vor. Ich erinnere mich gut an jene Tage vor über fünf Jahren, als wir umzogen und alle meine Bücher bereits in Kisten verpackt waren: es war, ungelogen, die schrecklichste Zeit meines Lebens.

Natürlich war es sehr schlimm, als meine Mutter oder meine Omi verstarb, aber da hatte ich immer ein tröstendes Buch zur Seite.

Nachdem meine Mutter 2007 verstorben war, erlebte ich eine sehr lange Phase tiefer Trauer. Ich hatte das Gefühl, dass ich mich von ihrem Tod, der für mich sehr einschneidend gewesen war, nur langsam erholte. In jener Zeit las ich sehr viele Bücher übers Trauern. Da gab es welche, deren Lektüre mich ein wenig trösteten, andere waren derart schräg, dass ich sie sofort entsorgte. Auf meiner Suche nach einem Ausweg aus der Trauer stiess ich schliesslich auf „Ich sehe deine Tränen“ von Jorgos Canacakis.

Die Begegnung mit diesem Buch war, wie soll ich sagen, eine Offenbarung für mich. Bis ich damit anfing zu lesen, hatte ich mich, bewusst und unbewusst, unter Druck gesetzt, weil ich „schnell“ trauern wollte. Man hatte mir auch in meinem damaligen Umfeld zu verstehen gegeben, dass ich nach über einem halben Jahr Trauer mal bitte wieder „normal“ sein dürfte.

Nun, Jorgos Canacakis sagt es schon im Dialog mit dem Buch am Anfang: „Der Wandel der Zeit braucht Umwandlung“. Der Autor wendet sich auf den ersten Seiten per Du an den Leser, die Leserin und schafft so eine vertrauliche Situation: Das Buch als enger Begleiter in einer schwierigen Situation.

Nun, ich begann in „Ich sehe deine Tränen“ zu lesen und verstand mich mit einem Mal besser. Mir wurde bewusst, dass ich nie mehr so wie „vorher“ sein würde und schon gar nicht „normal“. Ich akzeptierte, dass der Tod meiner Mutter mich unwiederbringlich verändert hatte. Ich erkannte so viele Momente in meinem Leben, wo ich nicht geweint hatte, nicht weinen durfte oder konnte. Das machte mich zuerst nur noch trauriger. Doch dann verstand ich, dass der Tod meiner Mutter und meine schwere Trauer auch ein Geschenk war. Ich erlaubte mir nun, in aller Heftigkeit, traurig zu sein und mich nicht auch noch dafür zu schämen.

Jorgos Canacakis verbindet in seinem Buch seine eigenen. persönlichen Erfahrungen mit Berichten über Trauerrituale und der Erklärung seines eigenen „Lebens- und Trauerumwandlungsmodell“ (LTUM©). Er beschreibt verschiedenste Lebensumstände und zeigt anschaulich auf, wie und warum ungelebte, unterdrückte Trauer einen Menschen krank machen kann.

Dieses Buch empfehle ich gerne all jenen Menschen, die sich nach einem Trauerfall oder einer Phase tiefer Trauer mit ihren Gefühlen auseinandersetzen wollen. Ich empfinde „Ich sehe deine Tränen“ als grosses Geschenk.

Leider ist das Buch nur noch im Buchantiquariat erhältlich.

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Wolfsodyssee von Peter A. Dettling

In Zeiten, wo wir uns alle (wieder) nach Freiheit und Natur sehnen, kommt das Buch „Wolfsodyssee – Eine Reise in das verborgene Reich der Wölfe“ von Peter A. Dettling, erschienen vor wenigen Tagen im Werd & Weber Verlag, genau richtig. Gemeinsam mit dem Bündner Autor und Naturfotografen machen wir uns auf die Suche nach dem Wolf. Peter A. Dettling fotografiert, schreibt und forscht seit vielen Jahren über Wölfe.

„Wolfsodyssee“ ist ein intimer Reisebegleiter in die geheimnisvolle Welt dieser faszinierenden Tiere. Dettling berichtet über seine Erlebnisse in der Surselva, im Calanda-Massiv, in Kanada und den USA. Er liefert wunderbare Aufnahmen und weiss mit seinen (auto-)biografischen Texten die Leserinnen und Leser für Canis Lupus, den Wolf zu begeistern. Der Autor wählt poetische Übertitel für seine jeweiligen Kapitel. Gleich einem Wegweiser begleitet Peter A. Dettling die Leserin auf ihrer eigenen Reise auf den Spuren eines unserer ältesten Verbündeten. Er dokumentiert die Geschichte des Wolfs in den Alpen. Mehr als einmal steigen einem beim Lesen die Tränen in die Augen, weil man die Liebe, die tiefe Verbundenheit des Autors in seinen Zeilen und in seiner Bildsprache spürt.

Nach der Lektüre dieses lesenswerten Buchs sieht die Welt wohl für viele – etwas – anders aus und man sehnt sich danach, endlich wieder durch die Welt wandern und reisen zu können.

Vor einigen Jahren, ich schrieb für thurgaukultur.ch über den Werd-Titel „Tödlicher Schatten„, stiess ich auf den wunderbaren Werd & Weber Verlag. Ich freu mich immer wieder auf die neuesten Veröffentlichungen, insbesondere auf die hochwertigen Natur- und Wanderbücher. Was die Bücher dieses Verlags aus Thun insbesondere auszeichnet, ist die hohe Qualität, aber auch deren breite Positionierung. Ist „Wolfsodyssee“ ein eher jagdkritisches Buch, haben die Berner Oberländer mit „Jagd und Wildtiere im Kanton Bern“ ein sehr informatives, jagdfreundliches Buch verlegt. Ich bin gespannt auf weitere Titel!

Peter A. Dettling
Wolfsodyssee – Eine Reise in das verborgene Reich der Wölfe
Werd & Weber Verlag 2020
ISBN 978-3-03922-011-3