Der Abschied

Ihr Vater, einst ein Mann von Stärke und gutem Aussehen, lag bleich in seinem Bett. Sie streichelte über seine bärtige Wange. Er umfasste ihre Hand und drückte sie.“Das ist schon richtig so“, flüsterte er, „Geh morgen hin. Auch für mich.“Sie umarmte ihn und küsste ihn.

„Weidmanns Heil“, sagte er schliesslich mit kräftiger Stimme, als sie aus der Tür trat. „Weidmanns Dank und Heil“, antwortete sie. Dann verliess sie sein Haus.

Am nächsten Tag stand sie kurz vor acht im Kreis mit den anderen Jägern und wartete auf die Zuweisung der Posten. Der Nebel im Tobel hing tief, sie fror ein wenig. Der Jagdleiter schickte sie mit ihrem Jagdgötti mit. Dieser hatte sie während ihrer Ausbildung mit guten Worten begleitet. Sie sollte an diesem Vormittag auf dem Felsenplateau im Wald anstehen und aufs Wild warten, das die Treiber zutreiben würden. Langsam machte sie sich mit ihrem Jagdgötti an den Aufstieg. Sie marschierten durch den Wald, vorbei an Felsvorsprüngen, immer weiter hinauf, bis sie schliesslich auf dem Plateau ankamen.

„Hier wartest du. Das Wild wird von da oben rechts kommen.“

Er zeigte in Richtung des Tobels. „Nun kannst du zeigen, was du kannst. Hier haben alle unsere Jungjäger ihr erstes Tier erlegt. Um halb neun geht’s los. Ich warte weiter vorne am Weg. Weidmanns Heil.“

Sie nickte ihm zu. „Weidmanns Dank und Heil.“

Sie machte sich bereit, prüfte ihre Flinte und lud sie mit zwei Patronen. Sie vergewisserte sich, dass ihr Messer im Hosensack steckte, nahm es raus, strich über die Klinge und tat es wieder zurück. Sie warf einen Blick auf ihre Uhr. Diese hatte sie vor einigen Wochen von ihrem Vater geschenkt bekommen. „Ich brauche sie nicht mehr“, hatte er gesagt und ihr die Uhr in die Hand gedrückt. Zwanzig nach acht.

Sie machte einige Anschlagübungen, um bereit zu sein, wenn das Wild kommt. Sie atmete tief ein und aus. Das rostrote Laub, die sich im Wind wiegenden Tannen und das Plätschern des Baches, der sich während vielen Jahrhunderten durch das Tobel gefressen hatte, beruhigten sie.

Mit einem Mal erinnerte sie sich daran, wie gerne sie als Kind mit ihrem Vater im Wald unterwegs gewesen war. Er hatte alle Baumarten und Sträucher gekannt, die Vögel an ihren Stimmen. Oft hatte sie mit ihm Rehe, junge Füchse und Gämsen beobachtet und sich mit ihm über diesen Anblick gefreut.

Halb neun. Die Jagd begann. Der Wald wurde mit einem Mal still. Sie konzentrierte sich auf Geräusche, atmete tief durch. Ihr Herz schlug schneller. Plötzlich zischte ein Eichelhäher an ihr vorbei. Rascheln im Laub. Dann sah sie, wie von ihrem Jagdgötti vorausgesagt, im Bachtobel weit hinten von rechts drei Rehe heranpreschen. Sie erhob die Waffe und folgte damit dem hintersten Tier, einem Bock. In gut 20 Metern Entfernung rannte das Tier der Felswand über ihr entlang. Sie zielte auf sein Herz und drückte ab.

Das Tier stürzte wie vom Schlag getroffen ein paar Meter von ihr entfernt hinab und blieb liegen. Es zuckte noch einige Sekunden mit den Läufen. Sie machte erneut die Flinte bereit, für den Fall, dass das Tier noch einmal aufstehen würde. Doch der Bock bewegte sich nicht mehr. Er war tot.

Mit einem Mal entfuhr ihr ein tiefer Seufzer, die Tränen liefen ihr übers Gesicht und sie konnte nur schwer aufhören zu weinen. Der Bock war tot und sie hatte seinen Tod zu verantworten.

Nach einiger Zeit kam ihr Jagdgötti zu ihr zurück. Er leitete sie an, was sie als nächstes zu tun hatte. Die rote Arbeit würde sie allerdings alleine bewältigen. Der Jagdgötti klopfte ihr auf die Schulter und wünschte ihr Weidmanns Heil. Sie stieg mit zitternden Gliedern zu ihrem Bock hinunter. Zuerst schnitt sie andächtig einen Zweig von einer Fichte ab und legte dem Bock diesen letzten Bissen in den Mund. Sie streichelte das Tier, gedachte still einen Moment. Wieder rannen ihr Tränen aus den Augen.

Sie legte Jacke und Pullover zur Seite, zog die Uhr ab und steckte sie in den Hosensack. Sie sah sich das Tier von allen Seiten an, dann machte sie sich daran, es aufzubrechen. Sie zog ihr Jagdmesser hervor, machte zaghaft den ersten Schnitt und schärfte das Kurzwildbret ab. Ihre Hände zitterten. Sie schnitt den Körper weiter auf, ohne die Bauchdecke zu verletzen, bis zum Ansatz des Brustbeins. Dann holte sie den Pansen, die Därme, den Magen, die Nieren und die Milz heraus. Vorsichtig entfernte sie die Blase. Sie öffnete den Brustkorb und entnahm dem Körper nun die Leber und die Lungen. Sie prüfte vorsichtig die Organe und legte sie zur Seite. Alles fühlte sich warm an. Schliesslich hielt sie das Herz des Bocks in den Händen.

Sie packte Leber, Nieren und das Herz in einen Beutel. Den Pansen, die Lunge und die anderen Eingeweide legte sie ins Gebüsch für die anderen Bewohner des Waldes. Den Beutel verstaute sie in der Körperhöhle des Tiers. Schliesslich band sie die Läufe zusammen und schulterte den Bock auf ihren Rücken. Die Waffe trug sie an der Schulter. So trat sie langsam den Abstieg an. Diesen Weg mit dieser Last auf dem Rücken musste sie allein tragen. Schritt für Schritt trug sie das Tier zurück auf den Platz, wo die anderen warteten. Der tote Bock wog schwer auf ihrem Rücken, manchmal rutschte sie auf dem Boden, hielt an, ging wieder weiter. Als sie aus dem Wald trat, löste sich der Nebel auf und das Sonnenlicht wärmte sie.

Die anderen Jäger schauten ihr zu, wie sie langsam den Weg hinab kam. Sie trat zum Auto des Jagdleiters und übergab ihm den Bock. Einer der Jäger schlug ihr auf die Schulter, andere drückten ihr die Hände, gratulierten ihr mit „Weidmannsheil!“ Ihr Jagdgötti schliesslich sagte: „Nun bist du eine von uns. Eine Jägerin.“

Kurze Zeit später vibrierte ihr Telefon. Der Arzt ihres Vaters teilte ihr mit, dass dieser am frühen Morgen verstorben sei. Die Tränen stiegen ihr in die Augen. „Wann?“, fragte sie ihn. „Kurz nach halb neun schlief er friedlich ein.“

Einige Monate später, ihr Vater hatte seine letzte Ruhe längst gefunden, ging sie durch den Wald, hoch auf jene eine Wiese, wo die Böcke und Geissen sich bei Sonnenuntergang tummelten. Sie hatte im Frühling die Jagdprüfung bestanden und durfte nun allein jagen.

Es war Sommer geworden, die Blattzeit der Rehe hatte begonnen. Als sie die Hohe Wiese betrat, erblickte sie einen schönen, jungen Bock. Er hatte sich hingelegt und schien, wie sie selbst auch, die Ruhe des Abends zu geniessen. Für den späteren Abend hatten sich Gewitter angesagt. Die Luft war schwer. Sie pirschte sich an ihn heran, zog ihren Rucksack ab und legte sich hin. Er liess sich nicht von ihr stören. Als sie 100 Meter vor ihm lag und ihre Waffe für den Schuss bereit machte, blickte er sie an. Er floh nicht. Der Bock wiegte sein Haupt leicht hin und her, so als würde er sie ermutigen, näher zu kommen. Sie wartete ab, denn solange er sich nicht erhob, würde sie nicht schiessen.

So ruhten sie eine halbe Stunde Auge in Auge im Gras. Sie bemerkte, was für ein schönes Antlitz dieser Bock besass. Es war von einem warmen Grau. Mit einem Mal stand er auf und äste weiter. Hin und wieder blickte er sie an, so als würde er sich vergewissern, dass sie noch da war. Er liess sich von ihr nicht stören, machte ein paar Schritte hin und zurück. Sie blieb bewegungslos, aber angespannt liegen. Nie stand er so vor sie hin, dass sie ihn hätte erlegen können.

Dann hob er sein Haupt, schüttelte es und kam langsam auf sie zu. Sie war fasziniert, weil er keine Angst vor ihr zu haben schien. Immer näher kam er auf sie zu, bis er vielleicht 20 Meter vor ihr stand. Nun setzte sie sich auf. Aber auch das verscheuchte ihn nicht. Neugierig blickte er sie aus seinen grossen dunklen Augen an, schüttelte sein Haupt, leckte sich mit der Zunge über den Mund, reckte den Hals.

Schliesslich entlud sie die Waffe. „Nein, heute schiesse ich wohl nicht“, sagte sie mehr zu sich als zu ihm. Er blieb stehen, äste weiter, behielt sie im Auge. Über ihnen braute sich nun langsam das Gewitter zusammen. Sie erhob sich, packte ihren Rucksack und marschierte zurück in Richtung des Waldes. Es donnerte, der Regen fiel in Strömen. Als sie am Waldrand ankam und zurückblickte, war der Rehbock verschwunden. Sie sah ihn nie wieder.

Der Abschied

Ihr Vater, einst ein Mann von Stärke und gutem Aussehen, lag bleich in seinem Bett. Sie streichelte über seine bärtige Wange. Er umfasste ihre Hand und drückte sie.

„Das ist schon richtig so“, flüsterte er, „Geh morgen hin. Auch für mich.“

Sie umarmte ihn und küsste ihn.

„Waidmanns Heil“, sagte er schliesslich mit kräftiger Stimme, als sie aus der Tür trat. „Waidmanns Dank und Heil“, antwortete sie. Dann verliess sie sein Haus.

Am nächsten Tag stand sie kurz vor acht im Kreis mit den anderen Jägern und wartete auf die Zuweisung der Posten. Der Nebel im Tobel hing tief, sie fror ein wenig. Der Jagdleiter schickte sie mit ihrem Jagdgötti mit. Dieser hatte sie während ihrer Ausbildung mit guten Worten begleitet. Sie sollte an diesem Vormittag auf dem Felsenplateau im Wald anstehen und aufs Wild warten, das die Treiber zutreiben würden. Langsam machte sie sich mit ihrem Jagdgötti an den Aufstieg. Sie marschierten durch den Wald, vorbei an Felsvorsprüngen, immer weiter hinauf, bis sie schliesslich auf dem Plateau ankamen.

„Hier wartest du. Das Wild wird von da oben rechts kommen.“

Er zeigte in Richtung des Tobels. „Nun kannst du zeigen, was du kannst. Hier haben alle unsere Jungjäger ihr erstes Tier erlegt. Um halb neun geht’s los. Ich warte weiter vorne am Weg. Waidmanns Heil.“

Sie nickte ihm zu. „Waidmanns Dank und Heil.“

Sie machte sich bereit, prüfte ihre Flinte und lud sie mit zwei Patronen. Sie vergewisserte sich, dass ihr Messer im Hosensack steckte, nahm es raus, strich über die Klinge und tat es wieder zurück. Sie warf einen Blick auf ihre Uhr. Diese hatte sie vor einigen Wochen von ihrem Vater geschenkt bekommen. „Ich brauche sie nicht mehr“, hatte er gesagt und ihr die Uhr in die Hand gedrückt. Zwanzig nach acht.

Sie machte einige Anschlagübungen, um bereit zu sein, wenn das Wild kommt. Sie atmete tief ein und aus. Das rostrote Laub, die sich im Wind wiegenden Tannen und das Plätschern des Baches, der sich während vielen Jahrhunderten durch das Tobel gefressen hatte, beruhigten sie.

Mit einem Mal erinnerte sie sich daran, wie gerne sie als Kind mit ihrem Vater im Wald unterwegs gewesen war. Er hatte alle Baumarten und Sträucher gekannt, die Vögel an ihren Stimmen. Oft hatte sie mit ihm Rehe, junge Füchse und Gämsen beobachtet und sich mit ihm über diesen Anblick gefreut.

Halb neun. Die Jagd begann. Der Wald wurde mit einem Mal still. Sie konzentrierte sich auf Geräusche, atmete tief durch. Ihr Herz schlug schneller. Plötzlich zischte ein Eichelhäher an ihr vorbei. Rascheln im Laub. Dann sah sie, wie von ihrem Jagdgötti vorausgesagt, im Bachtobel weit hinten von rechts drei Rehe heranpreschen. Sie erhob die Waffe und folgte damit dem hintersten Tier, einem Bock. In gut 20 Metern Entfernung rannte das Tier der Felswand über ihr entlang. Sie zielte auf sein Herz und drückte ab.

Das Tier stürzte wie vom Schlag getroffen ein paar Meter von ihr entfernt hinab und blieb liegen. Es zuckte noch einige Sekunden mit den Läufen. Sie machte erneut die Flinte bereit, für den Fall, dass das Tier noch einmal aufstehen würde. Doch der Bock bewegte sich nicht mehr. Er war tot.

Mit einem Mal entfuhr ihr ein tiefer Seufzer, die Tränen liefen ihr übers Gesicht und sie konnte nur schwer aufhören zu weinen. Der Bock war tot und sie hatte seinen Tod zu verantworten.

Nach einiger Zeit kam ihr Jagdgötti zu ihr zurück. Er leitete sie an, was sie als nächstes zu tun hatte. Die rote Arbeit würde sie allerdings alleine bewältigen. Der Jagdgötti klopfte ihr auf die Schulter und wünschte ihr Waidmanns Heil. Sie stieg mit zitternden Gliedern zu ihrem Bock hinunter. Zuerst schnitt sie andächtig einen Zweig von einer Fichte ab und legte dem Bock diesen letzten Bissen in den Mund. Sie streichelte das Tier, gedachte still einen Moment. Wieder rannen ihr Tränen aus den Augen.

Sie legte Jacke und Pullover zur Seite, zog die Uhr ab und steckte sie in den Hosensack. Sie sah sich das Tier von allen Seiten an, dann machte sie sich daran, es aufzubrechen. Sie zog ihr Jagdmesser hervor, machte zaghaft den ersten Schnitt und schärfte das Kurzwildbret ab. Ihre Hände zitterten. Sie schnitt den Körper weiter auf, ohne die Bauchdecke zu verletzen, bis zum Ansatz des Brustbeins. Dann holte sie den Pansen, die Därme, den Magen, die Nieren und die Milz heraus. Vorsichtig entfernte sie die Blase. Sie öffnete den Brustkorb und entnahm dem Körper nun die Leber und die Lungen. Sie prüfte vorsichtig die Organe und legte sie zur Seite. Alles fühlte sich warm an. Schliesslich hielt sie das Herz des Bocks in den Händen.

Sie packte Leber, Nieren und das Herz in einen Beutel. Den Pansen, die Lunge und die anderen Eingeweide legte sie ins Gebüsch für die anderen Bewohner des Waldes. Den Beutel verstaute sie in der Körperhöhle des Tiers. Schliesslich band sie die Läufe zusammen und schulterte den Bock auf ihren Rücken. Die Waffe trug sie an der Schulter. So trat sie langsam den Abstieg an. Diesen Weg mit dieser Last auf dem Rücken musste sie allein tragen. Schritt für Schritt trug sie das Tier zurück auf den Platz, wo die anderen warteten. Der tote Bock wog schwer auf ihrem Rücken, manchmal rutschte sie auf dem Boden, hielt an, ging wieder weiter. Als sie aus dem Wald trat, löste sich der Nebel auf und das Sonnenlicht wärmte sie.

Die anderen Jäger schauten ihr zu, wie sie langsam den Weg hinab kam. Sie trat zum Auto des Jagdleiters und übergab ihm den Bock. Einer der Jäger schlug ihr auf die Schulter, andere drückten ihr die Hände, gratulierten ihr mit „Waidmannsheil!“ Ihr Jagdgötti schliesslich sagte: „Nun bist du eine von uns. Eine Jägerin.“

Kurze Zeit später vibrierte ihr Telefon. Der Arzt ihres Vaters teilte ihr mit, dass dieser am frühen Morgen verstorben sei. Die Tränen stiegen ihr in die Augen. „Wann?“, fragte sie ihn. „Kurz nach halb neun schlief er friedlich ein.“

Einige Monate später, ihr Vater hatte seine letzte Ruhe längst gefunden, ging sie durch den Wald, hoch auf jene eine Wiese, wo die Böcke und Geissen sich bei Sonnenuntergang tummelten. Sie hatte im Frühling die Jagdprüfung bestanden und durfte nun allein jagen.

Es war Sommer geworden, die Blattzeit der Rehe hatte begonnen. Als sie die Hohe Wiese betrat, erblickte sie einen schönen, jungen Bock. Er hatte sich hingelegt und schien, wie sie selbst auch, die Ruhe des Abends zu geniessen. Für den späteren Abend hatten sich Gewitter angesagt. Die Luft war schwer. Sie pirschte sich an ihn heran, zog ihren Rucksack ab und legte sich hin. Er liess sich nicht von ihr stören. Als sie 100 Meter vor ihm lag und ihre Waffe für den Schuss bereit machte, blickte er sie an. Er floh nicht. Der Bock wiegte sein Haupt leicht hin und her, so als würde er sie ermutigen, näher zu kommen. Sie wartete ab, denn solange er sich nicht erhob, würde sie nicht schiessen.

So ruhten sie eine halbe Stunde Auge in Auge im Gras. Sie bemerkte, was für ein schönes Antlitz dieser Bock besass. Es war von einem warmen Grau. Mit einem Mal stand er auf und äste weiter. Hin und wieder blickte er sie an, so als würde er sich vergewissern, dass sie noch da war. Er liess sich von ihr nicht stören, machte ein paar Schritte hin und zurück. Sie blieb bewegungslos, aber angespannt liegen. Nie stand er so vor sie hin, dass sie ihn hätte erlegen können.

Dann hob er sein Haupt, schüttelte es und kam langsam auf sie zu. Sie war fasziniert, weil er keine Angst vor ihr zu haben schien. Immer näher kam er auf sie zu, bis er vielleicht 20 Meter vor ihr stand. Nun setzte sie sich auf. Aber auch das verscheuchte ihn nicht. Neugierig blickte er sie aus seinen grossen dunklen Augen an, schüttelte sein Haupt, leckte sich mit der Zunge über den Mund, reckte den Hals.

Schliesslich entlud sie die Waffe. „Nein, heute schiesse ich wohl nicht“, sagte sie mehr zu sich als zu ihm. Er blieb stehen, äste weiter, behielt sie im Auge. Über ihnen braute sich nun langsam das Gewitter zusammen. Sie erhob sich, packte ihren Rucksack und marschierte zurück in Richtung des Waldes. Es donnerte, der Regen fiel in Strömen. Als sie am Waldrand ankam und zurückblickte, war der Rehbock verschwunden. Sie sah ihn nie wieder.

Dieser Beitrag wurde als einer von vier von der Vortrags- und Lesegesellschaft Toggenburg mit einem Preis ausgezeichnet.

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